Verborgene Schätze der Südkarpaten: 3 unvergessliche Wanderungen in Rumänien

Die rumänischen Südkarpaten, oft auch Transsilvanische Alpen genannt, sind ein Synonym für wilde, ungezähmte Natur und atemberaubende Berglandschaften. Wenn Sie nach Orten suchen, an denen der Massentourismus noch nicht vollständig Einzug gehalten hat und wo man auf den Bergkämmen mehr Tieren als Menschen begegnet, sind Sie hier genau richtig. Wir haben für Sie eine Auswahl von drei einzigartigen Wanderungen in den Gebirgen Făgăraș, Retezat und Piatra Craiului zusammengestellt, die Ihnen das Beste der rumänischen Berge zeigen werden.


1. Făgăraș-Gebirge – Die königliche Wanderung auf den Negoiu (2535 m)

Vergessen Sie den überlaufenen Moldoveanu. Das wahre Juwel und die eigentliche Herausforderung des Făgăraș ist der zweithöchste Gipfel Rumäniens, der Negoiu. Diese Tour ist die Essenz des Hochgebirgswanderns – scharfe Grate, technische Passagen und Ausblicke, die sich ins Gedächtnis einprägen.

  • Warum diese Wanderung? Der Negoiu ist ein majestätischer und Respekt einflößender Gipfel. Der Weg dorthin führt über einen wunderschönen Grat mit ausgesetzten Abschnitten und bietet dramatische Ausblicke auf das gesamte Gebirge. Die Überquerung des Strunga-Doamnei-Sattels (ein Ersatz für die dauerhaft geschlossene und gefährliche Strunga Dracului) ist ein Erlebnis für sich. Die Umgebung des Călțun-Sees, wo sich auch eine Biwakschachtel befindet, ist einer der fotogensten Orte in den Karpaten.
  • Schwierigkeit: Hoch. Die Tour ist technisch und konditionell anspruchsvoll, erfordert Erfahrung in ausgesetztem Gelände und stabiles Wetter.
  • Dauer: Ungefähr 10–12 Stunden, ca. 16 km. Höhenunterschied: ca. 1500 m.
  • Empfohlener Zeitraum: Juni – September. In den frühen Sommermonaten können sich auf der Route steile Schneefelder befinden.
  • Ausgangspunkt und Route: Bâlea-See (2034 m), mit dem Auto über die berühmte Transfăgărășan-Hochstraße erreichbar.
    • Route: Vom Bâlea-See aus folgen Sie dem rot markierten Gratweg nach Westen. Sie überqueren die Gipfel Paltinului und Lăițel, von wo aus sich die ersten epischen Blicke auf den Negoiu eröffnen. Sie steigen zum See und zur Hütte Refugiul Călțun ab. Von dort führt ein steiler Aufstieg durch den Strunga-Doamnei-Sattel bis zum Gipfel des Vârful Negoiu. Der Rückweg erfolgt auf derselben Strecke.

  • Parken: Großer, gebührenpflichtiger Parkplatz direkt am Bâlea-See.

Vârful Negoiu

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2. Retezat-Gebirge – Zu den türkisfarbenen Augen und auf den Gipfel Peleaga (2509 m)

Das Retezat wird zu Recht als "Land der blauen Augen" bezeichnet. Hier gibt es mehr als 80 Gletscherseen, und diese Wanderung führt Sie zum größten und schönsten von ihnen – dem Bucura-See – und auf den höchsten Gipfel des Gebirges.

  • Warum diese Wanderung? Sie ist die perfekte Kombination aus allem, was das Retezat einzigartig macht. Ein monumentales Gletschertal, kristallklare Seen, grüne Wiesen voller Blumen und Murmeltiere und schließlich ein felsiger Gipfel mit Rundumblick. Am Bucura-See werden Sie sich wie in einer anderen Welt fühlen. Die Landschaft wechselt von der Waldzone über weite Wiesen bis hin zu einer rauen Felswüste.
  • Schwierigkeit: Mittelschwer bis schwer. Technisch nicht kompliziert, erfordert aber aufgrund der Länge und des Höhenunterschieds eine gute Kondition.
  • Dauer: Ungefähr 8–10 Stunden, ca. 18 km. Höhenunterschied: ca. 1300 m.
  • Empfohlener Zeitraum: Ende Juni – Oktober.
  • Ausgangspunkt und Route: Poiana Pelegii (1630 m). Die Zufahrtsstraße kann in schlechtem Zustand sein; ein Auto mit höherer Bodenfreiheit wird empfohlen.
    • Route: Vom Parkplatz am Ende der Straße hinter dem letzten Dorf Nucșoara. Die Route führt auf einem bequemen Weg durch Wald und später Latschenkiefern leicht ansteigend bis zum riesigen Gletscherkessel, in dem der Lacul Bucura (2040 m) liegt. Vom See geht es steil auf dem gelb markierten Weg hinauf zum Sattel Curmătura Bucurei und von dort über den felsigen Rücken zum Gipfel des Peleaga. Der Rückweg erfolgt auf demselben Weg.

  • Parken: Parkplatz am Ende der Straße in Poiana Pelegii, nach dem Dorf Nucșoara.

Peleaga 2509 m n. m.

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3. Piatra-Craiului-Gebirge – Die adrenalinreiche Überquerung des Kalksteingrats

Wenn Sie etwas völlig anderes suchen, ist das Piatra-Craiului-Gebirge die richtige Wahl. Es ist kein typisches, weitläufiges Gebirge, sondern ein einziger, 25 km langer, schmaler und scharfer Kalksteingrat, der an eine Messerklinge erinnert. Dies ist eine Tour für wahre Kenner.

  • Warum diese Wanderung? Die Überquerung dieses Grates ist ein unvergessliches, adrenalingeladenes Erlebnis. Es erwarten Sie ausgesetzte Abschnitte, leichte Kletterei, stellenweise Ketten und atemberaubende Ausblicke zu beiden Seiten – auf der einen Seite das Făgăraș-Gebirge, auf der anderen das Bucegi-Gebirge. Dank des Kalksteinuntergrunds wächst hier eine einzigartige Flora, einschließlich der endemischen Nelke (Garofița Pietrei Craiului). Die Landschaft ist dramatisch, wild und Sie werden hier garantiert keinen Menschenmassen begegnen.
  • Schwierigkeit: Sehr hoch, technisch anspruchsvoll. Ausschließlich für erfahrene, trittsichere und schwindelfreie Wanderer mit guter Orientierungsfähigkeit bestimmt.
  • Dauer: Ideal als zweitägige Trekkingtour. Insgesamt ca. 20-25 km, mit erheblichem Auf- und Abstieg.
    • Tag 1 (ca. 6-8 Std.): Aufstieg zum Grat und Überquerung des südlichen Teils.

    • Tag 2 (ca. 5-7 Std.): Überquerung des nördlichen Teils und Abstieg.

  • Empfohlener Zeitraum: Juli – September. Bei Regen, Gewitter oder Nebel absolut ungeeignet.
  • Ausgangspunkt und Route: Fântâna lui Botorog (850 m) in der Nähe der Stadt Zărnești.
    • Route (2 Tage): Von Fântâna lui Botorog steigen Sie zur Hütte Cabana Curmătura auf (Einkehrmöglichkeit). Von dort steil hinauf zum Grat über den Șaua-Crăpăturii-Sattel (gelbe Markierung). Auf dem Hauptgrat (rote Markierung) geht es weiter nach Süden zur Biwakschachtel Refugiul Ascuțit, wo Sie übernachten können. Am nächsten Tag geht es auf dem Grat weiter nach Norden, über den höchsten Punkt La Om (2238 m) und über den technischen Abschnitt "La Lanțuri" (Bei den Ketten) oder einen einfacheren Weg zurück zur Curmătura-Hütte und zum Auto.

  • Parken: Parkplatz bei Fântâna lui Botorog oder direkt in der Stadt Zărnești.

Piatra Craiului

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Was man in den rumänischen Bergen nicht vergessen sollte

Vorbereitung ist alles. Die rumänischen Berge sind wild und das Wetter ändert sich schnell. Vergessen Sie nicht:

  • Bärenspray: In den rumänischen Karpaten lebt die größte Braunbärenpopulation Europas. Es ist eher eine Vorsichtsmaßnahme für Ihren Seelenfrieden.
  • Zuverlässige Navigation: Wegmarkierungen können stellenweise spärlich oder beschädigt sein. Eine physische Karte, ein Kompass und ein GPS im Handy mit Offline-Karten sind unerlässlich.
  • Stirnlampe mit Ersatzbatterien: Selbst bei einer Tagestour kann es zu Verzögerungen kommen.
  • Wasserfilter oder Desinfektionstabletten: Es gibt viele Bäche, aber oft weiden Schafe in ihrer Nähe.
  • Hochwertige Kleidung in Schichten: Eine wasserdichte Jacke und Hose sind Pflicht.
  • Feste Wanderschuhe.
  • Erste-Hilfe-Set.
  • Sonnenschutz: Sonnenbrille, Sonnencreme, Kopfbedeckung.
  • Ausreichend Essen und Wasser.
  • Bargeld (nicht überall werden Karten akzeptiert), Ausweis, Bergversicherung.

Ich hoffe, diese Auswahl hat Sie inspiriert und dass Sie bald eine dieser wunderschönen Touren selbst erleben werden. Die Berge rufen!